Crowdfunding  scheint ein neues Zauberwort zu sein.  Aber was verbirgt sich dahinter und ist das ein geeignetes Fundraising Instrument für Kirchengemeinden?

Crowdfunding
Vielleicht können wir für unser Projekt Crowdfunding machen?  Das höre ich zunehmend auch in Kirchengemeinden. Es klingt so einfach: Man stellt sein Projekt ins Internet, ganz viele Leute finden das toll und spenden. Das Geld kommt quasi von allein. So einfach ist es allerdings nicht.

Der Grundgedanke des Crowdfunding ist in der Tat, dass viele Menschen (Crowd = Gruppe, Schwarm) einer guten Idee folgen und durch viele kleine finanzielle Beiträge zu deren Realisierung beitragen. Bei dem zu finanzierenden Vorhaben kann es sich um eine Geschäftsidee handeln oder auch um ein gemeinnütziges Projekt.Immer geht es darum, im World Wide Web quasi Menschenmassen zu motivieren. Da bemüht sich z.B. ein junges Filmteam um die Finanzierung eines Filmprojektes. Oder Sie möchten in Ihrer Gemeinde die Operationskosten für ein Kind aus Ihrer Partnergemeinde in Südafrika aufbringen. Im Gegenzug werden den  Förderern  gestaffelte „Dankeschöns“ oder „Belohnungen“ geboten. Wer Geld gibt, erhält also eine Gegenleistung, insofern handelt es sich steuerrechtlich nicht um Spenden. In diesem Fall kann unter Umständen auch der Staat profitieren, denn sobald eine Gegenleistung erbracht wird, gerät die Organisation -  auch die Kirchengemeinde - grundsätzlich in die Steuerpflicht (Umsatzsteuer und Ertragssteuer).

Die Pax-Bank hat unter dem Namen wo 2 oder 3 eine Crowdfunding-Plattform für Kirchengemeinden und kirchliche Organisationen eingerichtet. Ein kurzes Video zeigt anschaulich wie das Crowdfunding funktioniert . Auch die Evangelische Bank plant derzeit eine solche Plattform. Es werden keine Gebühren erhoben. Ein weiterer Vorteil mag darin liegen, dass es Überschneidungen bei Bank-Kunden und kirchlichen Zielgruppen gibt.

Das zu finanzierende Vorhaben wird  über eine spezielle Internet-Plattform angeboten, über die auch die Zahlungen abgewickelt werden. Eine Deadline  wird vorgegeben, in der die benötigte Summe aufzubringen ist. Auf der Internetplattform werden das Finanzierungsziel, der aktuelle Spendenstand und die Laufzeit angezeigt. Je nach Anbieter erfahren die Besucher auch, wie viele Personen gespendet haben und bis zu welchem Prozentsatz das Ziel erreicht oder auh übertroffen wurde. All diese Informationen beeinflussen die Entscheidung zur Beteiligung. Wenn viele Menschen mitgemacht haben, möchte man ebenfalls dabei sein. Wenn das Ziel fast erreicht ist, ist der Erfolg gesichert. Wer sich nicht gleich entscheiden mag, sieht am folgenden Tag, ob sich etwas getan hat oder auch nicht.

Eine Form des Crowdfundings funktioniert nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip“. Nur wenn das gesteckte und kommunizierte Ziel im vorgesehenen Zeitraum (meist max. 90 Tage) erreicht wird, erfolgt eine Auszahlung des Geldes. Andernfalls geht es (in den meisten Fällen) an die Unterstützer zurück. Der Portalanbieter agiert praktisch als Treuhänder zwischen dem Projektträger und den Förderern.

Voraussetzung
Wer Crowdfunding machen will, sollte sich fragen, für wen das Projekt interessant ist. Die Erweiterung der Kindertagesstätte im Norden Frankfurts hat für Eltern in Hamburg oder München kaum Bedeutung. Und wie viele von den Menschen, die für eine Kirchensanierung spenden, sind auf Facebook unterwegs? Da kirchliche Projekte in der Regel regional begrenzt sind, ergibt sich die Frage, welche Internet-Gemeinschaft ein Interesse hat an der erfolgreichen Umsetzung und wie groß diese Gruppe ist. Crowdfunding beginnt immer im eigenen Netzwerk. Ziel ist es zunächst, so viele „Freund“ oder „Fans“ wie möglich zu sammeln. Wenn das Projekt überzeugend ist, wird es Kreise ziehen, von den Unterstützern über deren persönliche  Netzwerke weiterempfohlen. So kommen Menschen hinzu, die bisher keinen Kontakt zur Gemeinde hatten. Eine neue Gemeinschaft oder Community entsteht – zumindest für dieses Projekt.

Voraussetzung für den Aufbau einer solchen Community ist, dass möglichst viele Online-Kanäle genutzt werden: Soziale Netzwerke  wie Facebook  oder Twitter sind unerlässlich. Ein Blog auf der eigenen Projektseite hält Interessierte auf dem Laufenden. Internetnutzer wollen nicht nur eine schriftliche Projektbeschreibung, sie wollen Bilder und Videos sehen. Im Video kann das Projekt persönlich vorgestellt werden, aussagekräftige und internetgeeignete  Fotos spiegeln die Projektidee wider,  Texte erzählen Geschichten. Die Geschichten, die hinter dem Projekt stehen, machen es interessant und persönlich. Menschen  geben am liebsten für Menschen – von deren Geschichten sie berührt sind. Das alles macht Arbeit, bei der Vorbereitung und während der Laufzeit.


Ziele setzen
Crowdfunding ist selten eine Vollfinanzierung. Ein Teil der benötigen Gesamtsumme soll auf diese Weise akquiriert werden. Setzen Sie diese Summe realistisch aber nicht zu hoch an. Wenn potentielle Unterstützer den Eindruck haben, dass das Ziel nicht erreicht wird, verlieren sie das Interesse. Wer setzt schon gern auf ein totes Pferd? Je schneller die gewünschte Summe zusammen kommt, desto größer ist das Erfolgserlebnis – nicht nur für die Projektverantwortlichen, sondern auch für die Projektförderer.  Ein Projekt, das bei einer Gesamtlaufzeit von 90 Tagen – und das ist schon viel im Internet – nach 80 Tagen  erst die Hälfte des finanziellen Zieles erreicht hat, wird scheitern.

Fazit
Crowdfunding ist dann geeignet, wenn es um ein Projekt geht, das vorwiegend jüngere Menschen anspricht, die sehr internetaktiv sind. Dort lassen sich neue, vornehmlich junge Zielgruppen erreichen. Grundsätzlich gilt, dass Internetspenden höher sind als die normale Erstspende. Wobei die Spendenhöhe auch mit der Attraktivität der „Belohnung“  zusammenhängt. Die klassische Spenderbeziehung lässt sich beim Crowdfunding allerdings nicht aufbauen, denn Sie haben keinen persönlichen Kontakt zu Ihren Unterstützern. Bevor Sie mit einem Crowdfunding-Projekt starten,  sollten Sie über einen professionellen interaktiven Internetauftritt verfügen und in den sozialen Netzwerken aktiv sein. Laufen Sie sich dort warm und testen Sie die Attraktivität Ihrer Angebote, bevor Sie Zeit und Geld in eine Crowdfunding-Aktion investieren.

 

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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Literaturverzeichnis

 

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