Werbung für Spendenprojekte geschieht heute mit professionell gestaltetem Werbematerial. Als Kirchengemeinde müssen Sie sich dem Wettbewerb großer gemeinnütziger Organisationen stellen.

Mit Worten bewegen – mit Bildern berühren

Flyer werden dann gelesen, wenn die Informationen anschaulich dargestellt und mit Bildern unterlegt sind. Eine angemessene Textmenge überfordert den Leser nicht. Aber es geht um mehr, als um Text und Bilder.

Im Wettbewerb mit Unicef, World Vision und anderen Organisationen braucht kirchliches „Werbematerial“ eine angemessene Professionalität. Das auf dem Gemeindedrucker hergestellte, blaue Faltblatt hat heute kaum noch Erfolg. Andererseits kann eine teure Hochglanzbroschüre im Pergamentumschlag Irritationen auslösen. Der Empfänger fragt sich vielleicht, wofür denn „sein“ Geld verwendet wird. Die Gestaltung von Flyern ist ein komplexes Thema, das Sie am besten gemeinsam mit der Öffentlichkeitsarbeit in Angriff nehmen.

Zielfindung
Zunächst sollten Sie ein klares Ziel vor Augen haben. Worum geht es bei Ihrem Projekt? Die Kirchensanierung ist eine große Herausforderung, weil sie erhebliche Mittel benötigt. Wie hoch ist der Anteil, den Sie als Gemeinde aufbringen müssen? Warum muss die Sanierung jetzt durchgeführt werden? Was bewirkt die Unterstützung bzw. welchen Nutzen hat die Gemeinde von der erfolgreich abgeschlossenen Maßnahme? Diese Fragen müssen Sie im Kirchenvorstand mitei-nander klären, bevor das Werbematerial entwickelt wird.

Oder geht es um einen freiwilligen Kirchenbeitrag für die kirchliche Arbeit? In diesem Fall sollten Sie versuchen, konkrete Themen und Arbeitsfelder zu benenn, für die Sie Unterstützung benötigen: Bibeln für die Konfirmandenarbeit, Reisekostenzuschüsse für die Jugendfreizeit, das gesunde Frühstück für Bedürftige oder Schulungen für den Besuchsdienst. Versuchen Sie, Ihren Bedarf in kleine „Häppchen“ zu zerlegen.

Je konkreter Ihre Angebote, desto eher werden Sie Unterstützer finden. Und denken Sie daran, auch wer kein Geld hat, kann helfen. Für das gesunde Frühstück z.B. werden Sachspenden vom Bäcker oder Metzger ebenso benötigt, wie helfende Hände. Und wer das alles nicht leisten kann, kann „gut“ über Sie und Ihre Arbeit reden. Weisen Sie auf solche Möglichkeiten hin, so muss sich niemand ausgeschlossen fühlen.

Abbildung: Flyer für Kirchgeldprojekte der Phillipus- und Unions-Gemeinde Mannheim Käfertal, Text: Sebastian Carp, Gestaltung: Markus Schüssler. Den gesamten Flyer finden Sie hier_ http://www.fundraising-evangelisch.info/seite/flyer-und-brosch%C3%BCren

Format
Für Flyer und Faltblätter können Sie unterschiedliche Formate (z.B. Klappfalz, Wickelfalz, Al-tarpfalz oder Zickzackfalz) auswählen. Ein sehr häufig gewähltes Format ist DIN A4, 6-seitig, d.h. sechs Seiten können bedruckt und das Faltblatt z.B. einem Spendenbrief beigefügt werden. Be-sondere Aufmerksamkeit erlangt ein Flyer mit außergewöhnlichem Format (z.B. quadratisch). Al-lerdings sollten Sie schon bei Festlegung des Formates auch den Verteilweg im Blick haben. Beim Postversand richten sich die Versandkosten nach Maß und Gewicht des Briefes.

Neben dem geeigneten Format muss die Papierqualität festgelegt werden. Möchten Sie ein mattes oder glänzendes Papier oder vielleicht ein Umweltpapier verwenden? Sie sollten Ihren Flyer farbig (4-Farb-Druck) drucken, preislich macht das heute kaum noch einen Unterschied zum schwarz-weiß-Druck. Sie können Ihre Flyer heute im Internet gestalten und drucken lassen (z.B. www.flyeralarm.com). Wer das schon häufiger gemacht hat, findet sich auf den Seiten gut zurecht. Es kann aber auch gut und sinnvoll sein, die örtliche Druckerei mit dem Druck des Flyers beauftragen.     

Gestaltung
Denken Sie bei der Gestaltung Ihrer Materialien an die Wiedererkennbarkeit. Das bekannte Corporate Design (Logo, Schriftart, Farben) Ihrer sonstigen Kommunikationsmittel findet sich natürlich auch in Ihrem Flyer wieder. Die Farbgebung des Flyers ist ein wichtiges Gestaltungsmittel. Warme Farben, wie z.B: Rottöne werden von den meisten Menschen positiv aufgenommen. Aber auch hier sollten Sie die Empfänger Ihrer Werbebotschaft im Blick haben. Weiße Schrift auf farbigem Hintergrund ist für ältere Augen schwerer zu lesen, als schwarze Schrift auf einem hellen Hintergrund. Um der Klarheit Willen sollten Sie lieber  mit der Schriftgröße als mit zu vielen verschiedenen Schriftarten variieren. Geben Sie nicht der Versuchung nach, die Schriftgröße zu verringern, weil noch ein Textbaustein untergebracht werden muss. Weniger ist oft mehr. Die Empfänger Ihres Flyers werden es Ihnen danken.

Bilder veranschaulichen Ihre Botschaft. Sie zeigen mehr, als Wort beschreiben können und werden zuerst wahrgenommen. Vor allem aber zeigen sie Leben und Bewegung. Darum sollten Sie möglichst Bilder mit Menschen/Gesichtern in Bewegung zeigen. Auch wenn es um die Sanierung der Kirche geht. Zeigen Sie neben dem Gebäude oder den zu behebenden Schäden vor allem auch die Menschen, für die die Sanierung durchgeführt wird: die lebendige Gemeinde. Größere Bilder werden besser wahrgenommen, als kleine Bilder. Es ist ratsam, rechtzeitig an gute Fotos zu denken, die Sie für Ihre Kommunikationsmittel verwenden können. Wenn es keine eigenen Fotos sind, sollten Sie sich die Erlaubnis zur Veröffentlichung sichern. Ohne Erlaubnis der Eltern dürfen Sie z.B. Fotos einer Kindergartengruppe nicht veröffentlichen. Auch im Internet gilt das Urheberrecht für Fotos, d.h. Bilder können nur mit Erlaubnis des Fotografen und meist gegen Bezahlung verwendet werden. Die Investition in gute Bilder lohnt sich immer. Sie finden eine große Auswahl z.B. bei www.epd-bild.de. Hinweise zu kostenlosen und lizenzfreien Bildern finden Sie auch hier: http://www.bildersuche.org/kostenlose-bilder-lizenzfreie-fotos.php

 


Abbildung: Spendenflyer der Kirchengemeinde Hofheim/Taunus

Text
Bei der Vermittlung Ihrer Botschaft gilt es, die richtige Balance zu finden, zwischen sachlicher Information und emotionaler Ansprache. Ihre Kernbotschaft sollte gut sichtbar und herausstechend platziert werden, die weiteren Texte werden untergeordnet. Denken Sie daran: Es sind gerade die kurzen und prägnanten Aussagen, die gelesen werden. Aussagekräftig sind natürlich kurze Statements von Betroffenen. Auch beim Texten sollten Sie immer die Empfänger im Blick haben. Ihr Flyer muss über das Vorhaben/die Projekte informieren und über die Dringlichkeit. Es gilt die Leser direkt und nachvollziehbar anzusprechen und um Unterstützung zu bitten. Dabei sollten Sie sich um eine verständliche Darstellung des Anliegens bemühen. Bemühen sich um kurze Sätze und nutzen Sie möglichst Verben. Beim klassischen DIN-A4 Flyer (6 Seite) kann als Faustregel gelten: nicht mehr 1600 bis 1800 Textzeichen/Seite. Dann bleibt Raum für Fotos.

Interessierte wünschen eventuell weitere Informationen. Darum sollten Sie auf jeden Fall einen Ansprechpartner mit Namen (Foto) benennen, der weitere Auskünfte geben kann. Als hilfreich hat auch die Möglichkeit zu einer aktiven Reaktion erwiesen. Am Ende können weitere Informationen angefordert oder die Unterstützungsform (Einzelspende, Dauerspender, Lastschrifteinzug) angekreuzt werden. Das ist gerade bei langfristigen Projekten sinnvoll.

Es empfiehlt sich unbedingt, für die Gestaltung eines Faltblattes oder Flyers professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Vielleicht gibt es entsprechende Kompetenzen in Ihrer Gemeinde? Aber auch wenn Sie Ihr Faltblatt von einer Agentur erstellen lassen, sollten Sie doch die wichtigsten Erfolgskriterien kennen. Und schließlich kennen Sie Ihre Gemeinde am besten.
 

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