Gut geplant ist halb gewonnen

Fundraising für die Spielgeräte der Kindertagesstätte oder zur Unterstützung von Projekten der Jugendarbeit ist für viele Kirchengemeinden schon zur Routine geworden. Schwierig wird es dann, wenn es um wirklich große Projekte geht. Eine neue Orgel oder die Generalsanierung einer denkmalgeschützten Kirche stellen uns vor ganz andere Herausforderungen. Diese Projekte laufen über mehrere Jahre und das Fundraising-Team ist in vielerlei Hinsicht gefordert. Es braucht immer wieder kreative Ideen, ein hohes Zeitbudget, viel Durchhaltevermögen und vor allem eine klar strukturierte Planung. In den nächsten Ausgaben des Gemeindebriefes wollen wir uns an dieser Stelle mit der Planung und Durchführung einer umfassenden Spendenkampagne befassen.

Foto:Innensanierung der Stadtkirche Wittenberg

Gerade bei langfristigen Projekten ist blinder Aktionismus nicht angeraten. Bevor Sie über Maßnahmen nachdenken, sind wichtige Planungsschritte zu gehen. Für die Planung einer großen Spendenkampagne sollten Sie sich mindestens ein halbes Jahr Zeit nehmen.

Ziele
Die erste entscheidende Frage ist natürlich: Was ist die Grundlage der Kampagne und was wird dafür benötigt? Nehmen wir als Beispiel die Sanierung einer denkmalgeschützten Kirche. Die geschätzten Kosten betragen 3 Millionen. Euro; davon muss die Kirchengemeinde selbst ein Drittel, also eine Million Euro aufbringen. Die Sanierung soll in drei Jahren abgeschlossen sein. Diese Summe und der Zeitrahmen werden sowohl innerhalb der Gemeinde als auch nach außen konsequent kommuniziert. Es ist fatal, wenn unterschiedliche Zahlen verbreitet werden. Das verunsichert potentielle Unterstützer und schadet dem Vertrauen in Ihre Arbeit.

Wenn Sie Ihre Kampagnenziele festlegen, sollten Sie auch bereits darüber nachdenken, welche Mittel dafür zur Verfügung stehen. Fundraising kostet Geld. Eine Faustregel sagt, dass Sie etwa 10-15 % der einzuwerbenden Mittel als Kampagnenkosten rechnen müssen. Bei der angenommenen Summe von einer Million Euro sind das also 100.000 Euro. Wenn Sie die Kosten nicht aus vorhandenen Mitteln bestreiten können, müssen Sie diese Summe aufschlagen, d.h. Ihr quantitatives Ziel entsprechend höher ansetzen.

Das Alleinstellungsmerkmal
Stellen Sie sich vor, Sie werden für ein großes Sanierungsprojekt um Unterstützung gebeten. Sie werden viele Fragen dazu haben. So geht es auch den Menschen, die Sie ansprechen wollen. Egal ob es Privatpersonen oder Unternehmen sind, Sie müssen deutlich machen, warum es sinnvoll und gewinnbringend ist, Ihr Projekt zu unterstützen.

Machen Sie sich die Fragen potentieller Unterstützer bewusst und klären Sie diese Fragen im Fundraising-Team. Was ist das Besondere an Ihrer Kirche? Was unterscheidet sie von anderen alten Kirchen? Welche historische Bedeutung hat Ihre Kirche? Welche Traditionen werden in Ihrer Gemeinde gepflegt? Welche Vorstellungen haben Sie von der Zukunft Ihrer Gemeinde? Warum ist die Sanierung dringend geboten? Wie setzt sich der Kostenrahmen von einer Million Euro zusammen? Was könnte Menschen für Ihr Sanierungsprojekt begeistern? Wir wissen, dass Menschen am liebsten für Menschen geben. Also ist eine entscheidende Frage die nach dem Sinn und Nutzen der Sanierung. Was bewirkt sie? Es geht ja nicht um den Erhalt eines (toten) Denkmals, sondern um die Gottesdienste, um das Leben in Ihrer Kirche.

Diese Fragen lassen sich am besten als Gruppe in einem Workshop klären. Teilnehmer können sein: Kirchenvorstand und Fundraising-Team, Architekt und Bauleiter, ein/e Vertreter/in des Denkmalschutzes, interessierte Gemeindeglieder. Je breiter Sie die Teilnehmergruppe aufstellen, umso differenzierter wird das Ergebnis sein.

Fassen Sie die Erkenntnisse zusammen und versuchen Sie daraus einen einprägsamen Slogan für Ihre Kampagne zu entwickeln. Die Zusammenfassung der Ergebnisse wird Ihnen helfen, Ihr Projekt innerhalb der Gemeinde und nach außen zu kommunizieren. Presseanfragen können schnell beantwortet werden. Der Werbeslogan prägt sich gut ein und ist „in aller Munde“.

Werbematerial
Hat Ihre Gemeinde ein für die Kampagne geeignetes Logo und Schriftzug? Wenn nicht, ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, eine solche „Wort-Bild-Marke“ zu entwickeln. Um Menschen gezielt zu erreichen, benötigen Sie ansprechendes Werbematerial. Ein Flyer oder Faltblatt ist unerlässlich. Für die Ansprache von Unternehmen oder Großspendern brauchen Sie zusätzlich gesondertes, aussagekräftiges Material. Hierfür leistet die Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse gute Hilfe. Idealerweise haben Sie einen Kampagnen-Slogan, die wichtigsten Aussagen, die Ihr Material enthalten soll, sind festgelegt.

Denken Sie daran, dass Sie im Wettbewerb um die Gunst von Spenderinnen und Spendern stehen. Jeder Mensch, den Sie ansprechen, wird auch von anderen Organisationen – sehr professionell – um Unterstützung gebeten. Lassen Sie darum Ihr Werbematerial von Profis entwickeln. Sie haben Erfahrung und wissen, wie Menschen auf Texte und Bilder reagieren. Ihre Workshop-Ergebnisse bieten eine gute Grundlage für die Instruktionen („Briefing“) gegenüber der Grafikagentur. Eine gute Agentur kann Ihre Gedanken in Bild und Text umsetzen. Ob Sie die Texte selber schreiben, hängt von Ihren Fähigkeiten ab. Gibt es jemanden in Ihrem Team, der kurz und anschaulich schreiben kann? Das ist durchaus eine Kunst und nicht jedem gegeben.

Ein wichtiger Kommunikationskanal ist heute das Internet. Auf jeden Fall sollte Ihre Kampagne dort einen vorrangigen Platz einnehmen. Vielleicht muss Ihr Internetauftritt überarbeitet werden? Oder die Kampagne lässt sich in den neuen Auftritt bereits gut einbinden. Internetseiten brauchen kurze, sprechende Texte und vor allem Bilder. Das Internet ist ein schnelles Medium – auch die Besucher verweilen nicht lange, um umfangreiche Texte zu lesen. Ein Spendenportal, über das direkt gespendet werden kann, ist eine gute Sache. Sie sollten sich aber hier beraten lassen und eine möglichst kostenfreie Version wählen. Machen Sie sich klar, dass die Gruppe derer, die für eine Kirchensanierung spendet, eher zu den älteren Menschen gehört. Deren bevorzugter Kommunikationskanal ist das Internet (noch) nicht.

Nutzen Sie Ihren Internetauftritt aber auch zur Spenderbindung. Baufortschritte und der Spendenstand können hier aktuell dargestellt werden. Eine Online-Baustellenzeitung berichtet z.B. monatlich über Fortschritte und ein Spendenbarometer zeigt, wie sich das Spendenaufkommen entwickelt.

Gute Fotos sind für die gesamte Kampagne wichtig. Sie brauchen sie für Flyer und Broschüren, für die lokale Presse, für den Internetauftritt und auch für die Dokumentation der Ergebnisse am Ende Ihrer Kampagne. Achten Sie während der gesamten Kampagne auf gute, verwendbare Fotos. Das kann Aufgabe für einen kundigen Kampagnenhelfer sein: Fotos sammeln.

Sie sehen: Bevor Sie eine Kampagne planen und organisieren, sind eine Menge Dinge zu tun. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit dafür. Ihr Handeln nach dem Grundsatz „Gut geplant ist halb gewonnen“ wird sich am Ende auszahlen.

NEWSLETTER
Für den Newsletter anmelden
E-Mail Adresse:
 
KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats räumt Dirk Buchmann, Fundraising-Beauftragter der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, auf mit dem Gedanken, dass Fundraising etwas mit Betteln zu tun haben könnte.

> LESEN
 
FACHLITERATUR
Damit die Kirche im Dorf bleibt: Fundraising

Praxisbeispiele für kirchliches Fundraising von Helmut Liebs

14,80 EUR

  > MEHR  
 
Fundraising in Kirchengemeinden
Ein Leitfaden für Qualitätsentwicklung. Hardcover-Ordner zu beziehen über alken@fundraisingakademie.de
25,00 EUR
 
Literaturverzeichnis

 

PARTNER IN IHRER NÄHE