Kollekten sind das einzige Fundraising-Instrument, das allein Kirchengemeinden zur Verfügung steht. Schon das ist ein Grund, ihnen besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Sonntag für Sonntag werden in unseren Kirchen Kollekten gesammelt. Wer den Gottesdienst besucht, ist der Kirche verbunden. Die Kollektengabe ist für Gottesdienstbesucher eine Selbstverständlichkeit. Manche Menschen geben lieber für die Armen in der Welt, andere greifen tiefer in die Tasche, wenn es um die eigene Gemeinde geht. Über die Höhe der Gabe entscheiden das persönliche Interesse oder die Akzeptanz des Kollekten-Zweckes. Zudem hängt die Höhe der Gabe - neben der persönlichen Möglichkeiten - auch davon ab, wie motivierend die Kollektenbitte vorgetragen wird. Die formale Ankündigung: „die heutige Kollekte am Ausgang ist bestimmt für die Jungendarbeit in unserer Gemeinde“ wird höchstens diejenigen ansprechen, die sich ohnehin für die Jugendarbeit engagieren. „Was heißt das genau? Wie viel Geld wird für welchen Zweck in der Jugendarbeit benötigt? Was machen die Jugendlichen da eigentlich? Was kann meine Gabe bewirken?“ Solche Fragen bleiben offen.

Die Bitte
Die Dramaturgie der Kollektenbitte ist Ihnen vertraut: Dank für vorhergehende Kollekte; Zweck, Notwendigkeit und Nutzen der heute erbetenen Kollekte; Hinweis wo weitere Informationen zu erhalten oder eine Maßnahme/ein Projekt besichtigt werden kann; Kollektenbitte, Dank und Segen.

Nehmen Sie sich Zeit für die Formulierung und schenken Sie der Kollektenbitte in der Vorbereitung eben soviel Sorgfalt wie Ihren Spendenbriefen. Auch hier gilt: kurze, eindeutige Sätze ohne Fremdwörter erleichtern das  Zuhören, Verben machen das Gesagte anschaulich. Beginnen Sie mit einer kleinen Geschichte darüber, was die erbetene Gabe bewirkt. Wecken Sie die Aufmerk-samkeit der Zuhörer, machen Sie es spannend. Es geht ja darum, Menschen zu einer Gabe zu motivieren, sie von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Kollekte zu überzeugen. Wer könnte besser und überzeugender um Spenden bitten, als diejenigen, denen die Gaben zugute kommen? Lassen Sie – zumindest hin und wieder – diejenigen eine Kollektenbitte vortragen, für die sie gedacht ist, zum Beispiel die Jugendlichen oder Kinder der Kindertagesstätte.

Überraschen Sie die Geber hin und wieder mit einer kleinen, dem Zweck angepassten Aufmerksamkeit beim Ausgang. Das kann ein von der Kita-Gruppe gestaltetes Lesezeichen sein, ein Strohstern, eine Blume oder ein Foto das zeigt, wofür die Kollekte eingesetzt wird. Auch hier sind Ihrer Phantasie kaum Grenzen gesetzt.

Kollektentüten
Es sind überwiegend Kirchenmitglieder, die Gottesdienste besuchen und sich an der Kollekte beteiligen. Sie spenden im Gottesdienst, ihre Opfergabe wird aber - zumindest  steuerrechtlich - nicht als Spende angesehen. Niemand kann die zehn oder zwanzig Euro, die er oder sie in den Klingelbeutel gegeben hat, steuerlich geltend machen. Vielleicht würde er oder sie das aber gern tun? Hier können Spendentüten helfen, wie wir sie alle von den Sammlungen für Brot für die Welt kennen. Ein bedruckter Umschlag, auf dem ich den Spendenbetrag und meine Adresse für die Zuwendungsbestätigung eintragen kann.

Die Evangelische Kirche im Rheinland präsentiert in ihren Kollektenempfehlungen einen Kollektenumschlag, der auf Vorder- und Rückseite alle erforderlichen Angaben für den Umgang mit der Kollekte enthält. So sind beispielsweise zwei Unterschriften von Presbytern erforderlich. Zugleich enthält der Umschlag auf der Rückseite Hinweise für das Gemeindebüro zum Erfassen der Spende.

Kollektenbons
In einigen Landeskirchen werden auch Kollektenbons genutzt. Dabei handelt es sich um Karten mit Wertaufdruck (z.B. 2 €, 5 €, 10 €, 20 €). Die Karten können meist  im Gemeindebüro erworben werden. Der Spender oder die Spenderin erhält beim Kauf der Bons eine Zuwendungsbestätigung über die Höhe der erworbenen Bons. Eltern oder Großeltern erwerben Kollektenbons z.B. gern für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die dann entscheiden können, welche Bedeutung sie einem bestimmten Kollektenzweck beimessen. Im Blick auf die zeitnahe Mittelver-wendung brauchen Kollektenbons immer ein „Verfalldatum“.

Klingelbeutel oder Sammelkörbchen
Es hängt mit der Tradition Ihrer Gemeinde zusammen, in welcher Form die Kollektengaben gesammelt werden. Meist geschieht das während des Gottesdienstes mit dem klassischen Klingelbeutel. Wenn zusätzlich eine Ausgangs- oder Türkollekte gesammelt wird, finden wir den Spendenkasten, Spendendosen oder auch Kirchenvorsteher mit Körben am Ausgang stehen.
Tests in einigen Kirchengemeinden haben gezeigt, dass die Erträge mit offenen Sammelkörbchen höher sind. Vielleicht ändert sich das, wenn zunehmend Kollektentüten verwendet werden. Mag sein, dass sich dann auch mehr mit Geldscheinen gefüllte Umschläge im Klingelbeutel im Klingelbeuten und dem Spendenkasten finden.

Konfessionell gebundene Menschen haben eine sehr hohe Spendenaffinität. Studien der Gesellschaft für Konsumforschung haben ergeben, dass das Spendenverhalten und der Gottesdienstbesuch in direktem Zusammenhang stehen. Gottesdienstbesucher geben gern, wenn sie überzeugt sind vom guten Zweck. Nutzen Sie darum die Chancen, auch bei der Kollekte Menschen für Ihr Anliegen zu gewinnen.

KOLUMNE DES MONATS

In der Kolumne des Monats berichtet Götz Gebureck über Anlassspenden.

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Literaturverzeichnis

 

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