Am Ende für den guten Zweck?

Testamentsspenden haben eine lange Tradition in der Kirche. Erbschaften fielen Kirchengemeinden zu, ohne dass sie sich explizit darum bemüht haben. So manche kirchliche Stiftung hat ihren Ursprung in einer größeren Erbschaft. Ein aktives Werben um Testamentsspenden hat es aber im kirchlichen Bereich bisher nicht gegeben. Das ändert sich nun langsam.

Der nachfolgende Artikel beschreibt nicht das Vorgehen im Erbschafts-Fundraising sondern möchte Chancen und Möglichkeiten aufzeigen. Eine Strategie für Erbschafts-Fundraising ist sinnvoller Weise auf landeskirchlicher oder Dekanats-Ebene verankert. Die unterschiedlichen Herangehensweisen einiger Gliedkikrchen werden aufgezeigt.

Fakten
In den vergangenen Jahren sind große Vermögen in Deutschland gewachsen. Nachkriegsgeberationen haben gut verdient und über Jahre hohe Zinserträge auf ihre Ersparnisse bekommen. Bis 2030 werden in Deutschland ca. 330 Milliarden Euro p.a. vererbt. Zunehmend machen sich Menschen Gedanken darüber, wie ihr Vermögen sinnvoll weitergegeben werden kann. Dabei kommen auch gemeinnützige Organisationen ins Spiel. Große Organisationen werben seit Jahren erfolgreich um Testamentsspenden. Brot für die Welt zum Beispiel erhielt im letzten Jahr fast fünf Millionen Euro aus Nachlässen.

In einer Repräsentativ-Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus dem Jahr 2013 wurden die Bereitschaft und Motive potentieller Erblasser erfragt. Jeder fünfte der Befragten wusste nicht, dass auch eine gemeinnützige Organisation im Testament bedacht werden kann. Die rechtlichen und formalen Bedingungen für ein gültiges Testament sind vielen nicht bekannt.  Deutlich wurde aber der Wunsch nach Rat und Information hinsichtlich der Nachlassgestaltung für den guten Zweck geäußert.

Möglichkeiten
Wo keine lebenden Verwandten existieren und der Nachlass nicht durch ein Testament geregelt ist, tritt der Staat als Erbe ein. Da möchte man doch lieber selber entscheiden, welchem guten Zweck das Vermögen zufließen soll. Die testamentarische Regelung des eigenen Nachlasses ist immer sinnvoll, weil sie die Möglichkeit bietet, alles nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu regeln.

Große Vermögen sichern die Versorgung der Familie und ermöglichen häufig darüber hinaus ein phi-lanthropisches Engagement. Die Gestaltung des Nachlasses bewegt die Menschen. Es ist ihnen wichtig, neben dem Vermögen auch eigene Werte weiterzugeben und das geschieht häufig aus christlichen Motiven. Manche möchten aus Dankbarkeit etwas zurückgeben, oder sie möchten etwas erhalten wissen, was ihnen im Leben wichtig war. Kirche und Diakonie bieten mit ihren Arbeitsfeldern sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten für das, was Menschen über das eigene Leben hinaus erhalten wissen möchten.

Stiftungen
Stiftungen werden häufig mit dem Begriff der Nachhaltigkeit verbunden. Nirgends passt dieses Wort so gut wie beim Zusammenspiel von Stiftungen und Erbschaften. Stiftungen sind vom ihrem Prinzip her auf Dauer angelegt. Sie überdauern das Leben von Stiftern. Wer sich mit dem Gedanken beschäftigt, Teile seines Vermögens über die eigene Lebenszeit hinaus wirken zu lassen, der gibt besonders gern in eine Stiftung, weil er oder sie damit etwas Bleibendes hinterlässt. 

In den Gliedkirchen
Einige Gliedkirchen haben sich bereits ausführlich mit dem Thema Nachlassspenden beschäftigt und die spezifischen Fragen auch theologisch reflektiert. Sie bieten dazu für Kirchengemeinden Material und Schulungen an. Hier einige Hinweise:

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Bayern und die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck haben vor einigen Jahren ein Materialpaket entwickelt. Eine Handreichung für Gemeinden zum Thema Erben und Vererben informiert über gesetzliche Rahmenbedingungen und stellt vor allem das Thema in einen kirchlichen Kontext. Interessierte können mit einem Flyer den Ratgeber – Wir haben viel bekommen. Wir geben etwas weiter. anfordern und sich über das Testamentsformen und Unterstützungsmöglichkeiten informieren. Zum Gesamtpaket gehört auch die Leitlinien Gemeinsam Gutes tun mit den ethischen Standards der beiden Gliedkirchen.

Im Norden sind die Bremische Evangelische Kirche , die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg und die Evangelisch-reformierte Kirche gemeinsam auf dem Weg, das Thema Nachlassspenden aufzunehmen. Im ersten Schritt wurde unter dem Titel Ein kostbares Geschenk. Nachlassspenden für Ihre Gemeinde eine Arbeitshilfe für Gemeinden erstellt, die als Anregung zur Diskussion und zur Weiterarbeit für Gemeindeleitungen gedacht ist. Auch in dieser Arbeitshilfe sind ethische Grundsätze enthalten.

Die Evangelische-Lutherische Landeskirche Hannovers arbeitet zurzeit an einem neuen Konzept. Nachfragen können gerichtet werden an: Paul Dalby, Evangelisches MedienServiceZentrum der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. paul.dalby@evlka.de

 

Die Evangelische Landeskirche Baden hat in einem längeren Prozess gemeinsam mit der Diakonie Baden ein Gesamtkonzept zum Erbschaftsfundraising entwickelt. Unter dem Titel Was bleibt. wurden eine Veranstaltungsreihe, eine Wanderausstellung, eine Homepage und eine Schulungsreihe konzipiert. Wer mit den nachfolgend genannten Materialien arbeiten will, muss einen ganztägigen Schulungstag besuchen.
Danach können die Arbeitshilfe, Flyer und Ratgeber kostenlos genutzt werden. Ein kurzes Video zeigt die Ausstellung, die – wie sich auf dem Kirchentag zeigte – eine gute Möglichkeit bietet, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen, über das, was bleibt.

Das Thema Erbschaftsfundraising ist ein sensibles Thema, das mit Herzblut und Fingerspitzengefühl   behandelt werden muss. Wenn Sie sich darauf einlassen möchten, sollten Sie sich bei Ihrer Landeskirche erkundigen, was es an Material und Information gibt. Vor allem gibt es hier schon Erfahrungen, von denen Sie profitieren können.

 

 

 

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